rotöl herstellen

Apothekenkunst

Pflanzenprofil: Johanniskraut zur Wundheilpflege / Rotöl herstellen

Mit dem Johanniskraut hat uns die Natur mal wieder wunderbar beschenkt. Die Wirkung ist so curios, dass seit Jahrzehnten daran geforscht wird und die Zahl der Publikationen nimmt nicht ab.

Es gibt einige Pflanzen, deren Wirkung nicht immer wissenschaftlich belegt werden kann. Bei Johanniskraut gibt es keine Zweifel. Die Wirkung lässt sich in 3 große Bereiche einteilen:

  • äußerlich aufgetragen (Wunden / Muskeln / stumpfe Verletzungen, leichte Verbrennungen)

  • innerlich bei Verdauungsproblemen

  • innerlich gegen leichte Depressionen

johanniskraut rotöl herstellen

Wie die Pflanze gegen Depressionen wirkt, gibt es in unserem Herbarium nachzulesen.

Heute geht es um die äußerliche Anwendung.
Indikation: ein schreckliches Ekzem auf der Haut. Seit einigen Jahren macht dem Stadtfarmer ein ausgeprägtes, juckendes und sehr großflächiges Ekzem zu schaffen. Es wurde gecremt, gepeelt, geölt, gepudert. Starke topische Medikamente brachten nichts, er versuchte es sogar mit einer Creme gegen Hefepilze. Als letzte verzweifelte Tat scheuerte er pures Desinfektionsmittel über die Wunde, um sie ein für alle mal auszurotten. Dass es danach nur noch schlimmer wurde, muss ich nicht erwähnen.

Als ich in den letzten Wochen immer wieder Johanniskraut auf Brachflächen der Heidelberger Bahnstadt sah, erinnerte ich mich direkt an die tollen antientzündlichen Eigenschaften des gelben Blütenkrauts, welches vor allem wegen seiner wissenschaftlich belegten antidepressiven Wirkung hoch gelobt wird.

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Die Pflanzenfarbstoffe wirken aber auch antientzündlich auf die Haut. Sie lassen Wunden, Verbrennungen und stumpfe Verletzungen schneller abheilen. Das sollte doch auch dem Ekzem helfen.

Und oh Wunder! Schon nach 2 maliger Applikation mit dem selbst angesetzten “Rotöl”, zeigte sich Linderung.

Folgendermaßen stellt man ein Rotöl laut DAB 6 her:

  • 25 g blühende, satt-gelbe Kronblätter (Blüten und Blütenknospen)

  • 100 ml Sonnenblumenöl (das DAB schlägt Olivenöl vor, doch Sonnenblumenöl ist aufgrund seines hohen Gehalts an Linolsäure besser für Ekzemhaut)

Sammeln und Herstellung
Man sammelt Johanniskrautblüten am besten zur Mittagszeit in voller Blüte (ab Anfang Juni, je nach Lage). Du findest Johanniskraut vor allem an sehr trockenen Eckchen, steinige, dürre Böden und immer in voller Sonne.

Die Blüten werden in einem Gefäß angequetscht. Dies kann mit einem glatten Pistill erfolgen. Achtung, auch wenn die Blümchen sonnengelb aussehen: sobald man sie zerquetscht, tritt eine dunkle, violett-bläuliche Flüssigkeit aus.

Um von der kostbaren Blütenfarbstoffe so wenig wie möglich zu verlieren, würde ich direkt im Auszugsgefäß anquetschen. Kein Transfer, weniger Verlust! Nun das Sonnenblumenöl aufgießen, Gefäß verschließen und an einem sonnigen Ort vier Wochen ziehen lassen.

Jeden Tag wird das Gefäß einmal geschüttelt und kurz geöffnet. So kann vor allem in den ersten zwei drei Tagen die Feuchtigkeit der Pflanze entweichen.

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Was viele Hobby-Apotheker nämlich vergessen: Auch Pflanzen enthalten Wasser. Und Keime lieben Wasser. Wie oft höre ich enttäuschte News aus der Naturkosmetik-Community, dass ein feinsäuberlich angesetztes Pflanzenöl plötzlich Schimmelschlieren enthält! Deshalb stellt man ANDERE Auszugsöle aus getrockneten Pflanzen her. Da es beim Rotöl aber um die potenten Farbstoffe der zarten und schnell welkenden Blüten geht, verarbeitet man ausschließlich frische Blüten.

Nach ca. 1 Woche sieht man schon eine leichte orange, nach 4 Wochen eine tiefe Rotfärbung des Öls. Nun wird das Öl durch ein sterilisiertes Baumwolltuch gefiltert und abgefüllt.

Lagerung: Während der Mazeration steht das Öl an der Sonne. Doch nach dem Filtrieren lagert man es am besten an einem dunklen, kühlen Ort (Zimmertemperatur oder etwas darunter).

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Anwendung:
Die betroffene Hautpartie zwei mal täglich mit dem Öl einreiben bzw. ein in das Rotöl getränkten Umschlag auflegen.

Kosmetikum:
Auch als Facial Oil kann Johanniskraut angesetzt werden. Anhand der Komedogenitätsliste suchst du dir ein stabiles Basisöl aus (z.B. Jojoba, Mandel oder Sonnenblumenöl). Nach der Auszugszeit und nachdem Filtrieren mischst du

2T Rotöl + 1T (individuelles Öl, z.B. Hanf) + 1 Tropfen Rosmarinöl + 1 Tropfen Lavendelöl

Die Wirkungen von Ölen auf deine Haut sowie den Grad der Komedogenität findest du in dieser Liste.
Abends auf die gereinigte, noch feuchte Haut geben und sanft anpressen - niemals einreiben.

Haltbarkeit:
6 Monate, ggf. länger. Für den persönlichen Gebrauch, dürfen gerne Hirn und Sinne benutzt werden: Riecht das Öl angenehm bis herb nach Johaniskrautblüten, ist es noch gut. Stinkt es fischig - weg damit. Riecht es ranzig? Vll einmal den Rand der Öffnung abwischen. Oft trocknen Öle an und nur diese trockenen Stellen riechen alt / ranzig. Kein Grund das Öl sofort zu verwerfen. #zerwowaste ist überall!