Kräuterheilkunde

Bildung, Kräuterheilkunde, Naturheilkunde, Naturmedizin, Pharmazie, PMS

Ladytalk. Mit Mönchspfeffer gegen PMS

Die lieben Hormone.
Wer sich irgendwo zwischen Teeanger- und Mittelalter bewegt, kennt das monatliche PMS. Seelische und körperliche Beschwerden kurz vor sowie während der Periode gehören in irgendeiner Form für die meisten weiblichen Wesen zum Leben. Eine stärkere Form der Beschwerden wird als PMDS bezeichnet: Prämentruelle dysphorische Störung. Gemeint ist eine depressive, aggressive und impulsartige Stimmungslage in der zweiten Zyklushälfte. Frau leidet. Ihr Umfeld auch.

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Auf der anderen Seite sind Hormone sexy. Seit Jahren plane ich meinen Alltag entsprechend meines Zyklus. Große Projekte, Vorträge, Workshops, etc. lege ich nur noch in die aufsteigende Phase, also die ersten 14 Tage zu Zyklusbeginn. 

Business Coachs empfehlen Frauen, Gehalts- oder Vertragsverhandlungen um den Eisprung herum zu legen, da sie während dieser Zeit selbstbewusst sind, sexy Pheromone versprühen und erfolgreicher wahrgenommen werden. 

In der absteigenden Phase ziehe ich mich zurück und gehe mit einer guten Freundin ins Café oder bastle mit den Kids oder ich grabe den Garten um. In der PM Woche werde ich leider zum explosiven Monster und möchte alles und jeden in Stücke hacken. Gleichzeitig bin ich empathisch und melancholisch bis tieftraurig. Anybody?

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Mit dem Einsetzen der Blutung kommt es dann zum Release... Freiheit von meiner dunkelsten Seite, zurück ins Leben, zurück zur positiven Einstellung Menschen und dem Leben gegenüber.

Für eine sehr lange Zeit habe ich alles so hingenommen. Meinen Alltag eben nach diesem verrückten Zyklus geplant. Ich wusste, es gibt hormonausgleichende Medikamente. Doch ich bin ein sehr vorsichtige Pillenschluckerin.

Dann nahm ich mal wieder meine alten Apothekenunterlagen heraus und schaute mir Lösungen aus der Phytotherapie an. Besonders Mönchspfeffer schien gute medizinisch messbare Unterschiede zu bewirken. Die Früchte des Mönchspfeffers senken den Prolaktinspiegel. Das bedeutet schmerzhafte, unregelmäßige oder übermäßige Regelblutungen werden wieder in Balance gebracht. Auch das fiese PMS verringerte sich laut einer Doppelblindstudie von 2013 bei 50% der Testerinnen.

So habe ich nun seit einigen Monaten selbst zum Versuchskarnickel gemacht und muss sagen: 
das Mönchspfeffer-Zeug hat für mich Wunder bewirkt.

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Das erste mal seit 7 Jahren mutiere ich nicht zum depressiven Aggro sondern bleibe in der PMS Woche ruhig und gelassen. Ich bin deutlich weniger gereizt und die Stimmung bleibt ungetrübt und fröhlich, ich bin voller Tatendrang und motiviert. Meine Brust spannt leider mehr als zuvor, aber lieber so als mit finsterem Gemüt zu leben. Lustigerweise steht in der Packungsbeilage: hilft bei Brustspannungen, usw. Deshalb noch einmal: Dies ist mein persönlicher Erfahrungsbericht. Alle weiteren Nebenwirkungen und Einschränkungen werden ebenfalls in der Packungsbeilage beschrieben.

Weitere pflanzliche Alternativen - Rhapontikrhabarber, Rotklee, Sojaisoflavone, Traubensilberkerzen wirken ähnlich - nämlich hormonausgleichend. Der Frauenarzt berät ausführlich zu dem geeigneten Pflanzenpräparat. Traubensilberkerze ist allerdings wegen leberschädigender Wirkung nicht ganz unbedenklich.

Ich schreibe diesen Blogpost, da zu einem erfüllten Leben in dieser Gesellschaft das Funktionieren zu jeder Zeit im Zyklus gehört. Idealerweise könnten sich alle Ladys leisten, sich 1-2 Wochen pro Monat zurückzuziehen, um in Abgeschiedenheit von Schokolade und Netflix zu leben.
Dem ist aber nicht so.

Deshalb hier noch einmal zusammenfassend, wie ich dauerhaft meinen Lifestyle wieder in Balance gebracht habe. 

1. Täglich 1-2h in die Natur gehen oder zumindest etwas Grünes anfassen, Tees ernten, trocknen, riechen. 

2. Täglich Mönchspfeffer. Zuvor bitte unbedingt zum Frauenarzt gehen. Jede Dame funktioniert anders. Dein Arzt kann anhand eines Zyklustagebuchs am besten sagen, welche Phytotherapie für dich die richtige ist. So ein Zyklustagebuch kannst du selbst führen und zum nächsten Arztbesuch mitbringen. Idealerweise notierst du 3 Monate lang: 

  • Deinen Zyklus, besondere Stress- / Ruhephasen, Ernährungsgewohnheiten, sportliche oder sonstige Aktivitäten. 

  • Und deine “Symptome”. An welchen Tagen treten bei dir Aggressionen, Freude, Tatendrang, Traurigkeit oder Wut auf? Wassereinlagerungen? Gewichtszunahme? Fressattacken, usw.?

3. Keinen Alkohol trinken. Nix gegen ein Glas Wein zum Wochenende,  aber der tägliche Alkoholkonsum ist besonders für den weiblichen Hormonhaushalt sehr ungünstig und wird mit Brustkrebs in direkten Zusammenhang gebracht. Außerdem verhindert Alkohol die Tiefschlafphasen, die dein Körper so dringend braucht. 

4. Kaffee reduzieren. Soll hier nicht weiter thematisiert werden, aber: Do your research, babe! Ich trinke maximal einen Single Shot Latte pro Woche.

5. Schlafen sollten wir 7,5 - 8h.

6. Sportliche Aktivitäten 3 mal pro Woche für ca. 1h.

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So. Habe ich alle Dinge aus dieser Liste über Nacht verändert? Nein. Gott sei Dank war ich noch nie Kaffee- oder Alkoholfreundin. Bei mir war es eher der Schlafmangel und der Sport und der Stress. Rausgehen in die Natur schien mir oft ebenfalls absurd, war es unter meiner Decke doch so schön kuschelig. Oder es gab tausend Dinge zu erledigen.

Doch irgendwann bin ich regelmäßig in den botanischen Garten gegangen und habe erst wieder im Tropenhaus einen klaren Kopf bekommen. Biophilia eben. Dazu habe ich vor einiger Zeit einen Blogpost verfasst.

Die allmähliche Lifestyleanpassung hat schon viel Ausgleich gebracht.  Aggressionen, Traurigkeit und impulsartige dumme Handlungen sind allerdings erst mit dem Mönchspfeffer verschwunden.

Hat hier jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder erfolgreich andere pflanzliche Medikamente gegen PMS verwendet?

Zum Vertiefen:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-282015/gefuehle-ausser-kontrolle/
https://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/moenchspfeffer/ https://www.saragottfriedmd.com/understanding-female-hormone-cycles/

Naturheilkunde, Kräuterheilkunde, Naturmedizin, Selbstversorgung, Apothekenkunst

Drei Rezepturen - wirksames Deo selber herstellen!

Das Netz ist mittlerweile voll von Artikeln über die „Schlechtigkeit“ von Aluminiumdeos. Deshalb soll dieses Thema hier nicht weiter erläutert werden. Ob was dran ist, kann diskutiert werden. Mich beschäftigt eher das Thema Verpackungsfreiheit.

Es gibt plastikfreie, tolle Alternativen zu erwerben oder selbst zu mischen. Im Prinzip sollte man vorab Folgendes wissen:

Kokosöl enthält Laurinsäure, die die Bakterien, die für unangenehmen Schweißgeruch sorgen, zersetzen. Allerdings fettet es etwas.

Natriumhydrogencarbonat (Natron) - kennt man vielleicht als "Kühlschrank-Deo*" - neutralisiert Gerüche einwandfrei! Aber es ist alkalisch und sollte sparsam dosiert werden.  Wer empfindlich ist, bekommt sonst gereizte Haut. Schon nach der zweiten Anwendung kann es zu Hautausschlägen, brennenden oder juckenden Ekzemen kommen.

Besser ist es, Natron etwas zu reduzieren und Zinkoxid und Stärke mit in die individuelle Rezeptur einzuarbeiten. Zinkoxid gibt es bei mir im Shop, nano-frei, versteht sich. Zinkoxid wirkt antibakteriell, leicht zusammenziehend und es bindet Feuchtigkeit. Die Stärke absorbiert Fett und Feuchtigkeit, so dass es sich nach dem Auftragen nicht wie frisch gekleister anfühlt.

Salbeiöl wirkt stark adstringierend. Statt eines lustigen Blumenduftes, sollte man sich mit Salbeiöl anfreunden und von der zusammenziehenden Wirkung profitieren.

Das die Deos auf sauberen Achseln aufgetragen werden, versteht sich von selbst. Haltbarkeit 12 Monate. Im Sommer im Kühlschrank lagern.

Im folgenden zwei Rezepturen und zum Schluss eine Anekdote aus meiner Apothekenzeit.

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Rezeptur 1 / festes Deo

1.5 TL Kokosöl

1.5 TL Bienenwachs / Sojawachs

1 TL Sheabutter

1.5 TL Natriumbicarbonat

10 Tr. Ätherische Öle

*Natron bindet Schweißgerüche, trocknet aber ggf. etwas aus.
Bei
empfindlicher Haut kann es durch Stärke und 5% Zinkoxid ausgetauscht werden. Ätherisches Kamillenöl wirkt desodorierend, Salbeiöl schweißhemmend.

  • Kokosöl, Wachs und Sheabutter im Wasserbad langsam und nicht zu heiß schmelzen.

  • Die Schmelze zunächst rühren, bis sie etwas abkühlt. Dann bei Bedarf etwas Pflanzen- pulver und einige Tropfen ätherisches Öl einrühren.

  • Sobald die Creme auf < 25°C abgekühlt ist, das Natron einrühren**.

  • In Form abfüllen, erkalten lassen, stürzen, fertig. Das Deo kann ein einer Schale gelagert werden. Im Sommer am besten ab in den Kühlschrank.

  • Haltbarkeit: 18 Monate.

 Rezeptur 2 / Deocreme

4TL Kokosöl

1 TL Mandelöl

4 TL Sheabutter

4 TL Natron (bei empfindlicher Haut nur 2TL Natron)

1 Msp. Zinkoxid

10 Tr. ätherisches Öl

  • Zinkoxid und Natron und ggf. etwas Stärke vermengen.

  • Das Mandelöl portionsweise in die Zinkoxid/ Natron  Pulvermischung einarbeiten. Eine Paste entsteht. Kokosöl und Sheabutter langsam im Wasserbad schmelzen. 

  • Auf Zimmertemperatur abkühlen* lassen. Nun die Mandelölpaste in die abgekühlten, geschmolzenen Fette einarbeiten.

  • Bei Bedarf zum Schluss das ätherisches Öl und die Blüten oder  Kräuter einarbeiten. In Gefäß füllen und beschriften. 

  • Haltbarkeit: 12 Monate 

 
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Rezeptur 3 / Salbeitee!

Eine Anekdote:  Natürlichste Hemmung übermäßiger Schweißproduktion.Während meines Studiums arbeitete ich regelmäßig in einer Apotheke. Mir fiel irgendwann eine ältere Dame auf, die immer schweißgebadet und übelst gelaunt den Laden betrat. Ein Deo nach dem anderen bestellte sie. Irgendwann lagen dann Rezepte für verschreibungspflichtige Antitranspirantien an meinem Labortisch. Der Aluminiumgehalt war 5 mal so hoch wie in den Drogerie-Deos. Nach einer Weile verdoppelte der Arzt die Dosierung sogar.

Irgendwann sprach ich die Dame vorsichtig an. Verzweifelt und frustriert begann sie zu erzählen. Sie sei vor einer Weile in die Wechseljahre gekommen. Seither könne sie kaum aufstehen und zwei Schritte laufen, ohne dass der Schweiß unter den Achseln nur so triefe. Sie wechsle an die zehn Blusen pro Tag.

Ich erkundigte mich, ob die verschriebenen Deos denn etwas nutzten. "Nicht wirklich."
Vorsichtig fragte ich, ob ich ihr einen Tipp aus der Natur geben dürfe. "Klar, ich glaube allerdings nicht, dass mir noch irgendwas helfen kann."

Die Frau war geplagt. Verständlicherweise schämte sie sich schrecklich und vermied jeglichen sozialen Kontakt.

"So wie es aussieht haben Sie doch nichts zu verlieren." Ich erzählte ihr von der adstringierenden Wirkung von Folia Salviae / Salbeitee. Adstringentien wirken zusammenziehend und dadurch schweißhemmend. Ich empfahl ihr täglich drei Tassen starken Tee aufzubrühen und zu trinken. "Wenn Sie meinen… von mir aus, bringt eh nicht, aber probier ich das halt mal." Nicht wirklich hoffnungsvoll kaufte die Dame den Tee und verließ den Laden mit hängenden Schultern.

Zwei Tage später kam das Wunder! Die sonst sehr mürrische Frau stürmte euphorisch in die Apotheke! "Sie sind ein Schatz! Ich habe Ihren Tipp ausprobiert und diesen Tee getrunken. Er wirkt! Ich bin fassungslos. Endlich kann ich mich wieder bewegen, ohne dass ich einen Schweißausbruch bekomme!" Strahlend kaufte gleich noch zwei Packungen und ging ihres Weges. 

Ich sah sie immer wieder. Auch erklärte ich ihr, dass sie sich beim Arzt informieren solle, wie lange sie Salbeitee denn trinken darf. Aber das war ihr egal. "Das ist das EINZIGE, was mir geholfen hat - dabei bleibe ich jetzt auch." Ich behaupte nicht, die Weisheit mit dem Löffel gegessen zu haben, doch meine Devise lautet: öfter mal in der Naturmedizin stöbern. Da lassen sich einige Wundermittel finden.

Ich selbst liebe den Geschmack von Salbeitee nicht sonderlich. Deshalb entwickle ich gerade eine wohlschmeckende Teemischung. Wer sich dafür interessiert, darf sich gerne den Newsletter bestellen. Sobald die Rezepturen oder Produkte online sind, gibt es Nachrichten!

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* Übler Lebensmittelmixgestank im Kühlschrank? Einfach loses Natronpulver in einem kleinen Gefäß in den Kühlschrank stellen. Wirkt Wunder. Hält ewig. Meine Portion (1 EL) befindet sich schon ein Jahr im Kühli.

**Natron zersetzt sich bei höheren Temperaturen. Deshalb bei der Einarbeitung der Schmelze unbedingt die Temperatur (max. 25 Grad Celsius) überprüfen, sonst blubbert das Deo und sprengt nach ein paar Stunden dein Gefäß.

Apothekenkunst, Kräuterheilkunde, Naturmedizin, Tee mischen

Kleine Kräuterkunde #1 Tees selbst sammeln, trocknen und mischen

Kleine Kräuterkunde #1 Tees selbst sammeln, trocknen und mischen

Anleitung zum Kräutersammeln. Wir finden viele Tipps zu selbst gemachten Tees im Netz. Hier eine kurze, sinnvolle Zusammenfassung, wie du die richtigen Pflanzen findest, erntest, trocknest und dann zu wirksamen Mischungen verarbeitest.

Wo finde ich Teekräuter?

(Aus Gründen des Arten- und Pflanzenschutzes nur kleine Mengen pflücken. Achtung, es gibt Jahre, in denen die eine oder andere Pflanze durch das Artenschutzgesetz unter Sammelverbot steht. Das gilt für Mengen bis 1-2kg. 2018 waren es zum Beispiel wegen der langen Hitzeperiode im Sommer die meisten Pilze. )

Klein- und Großstädter dürfen sich freuen. Auch wenn das Stadtbild dicht besiedelt scheint, kann man entweder einen kleinen Teegarten selbst anpflanzen oder man begibt sich an den Stadtrand, an Fahrradwege, Parks und Spielplätze, um fündig zu werden. Lustigerweise findet man auch an sehr viel befahrenen Straßen und Autobahnen einige Kräuter. Allerdings versteht sich von selbst, dass diese stark mit Abgasen und verlorenem Öl belastet sind. Normale Felder laden ebenfalls zum Sammeln ein. Aber du solltest Bescheid wissen, wer anbaut: Biobauern düngen ökologisch. Wenn die etwas spritzen, ist es kein Gift sondern unbedenkliche Pflanzenjauche. An diesen Feldrändern findest zu zum Beispiel viel Brennnessel, Schafgarbe, Goldrute, Rotklee, Johanniskraut, Birken usw.

Hast du in deiner Nähe einen Fluss, kleinen Bach oder See? Dann geh doch einmal in der Nähe des Wassers spazieren. Dort findest du zum Beispiel Baldrian und Holunder. An ruhigen Bahngleisen findet man Brombeerhecken, Hopfen und vieles mehr.

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Wie erkenne ich Kräuter?

Bildung ist alles. Sobald du beginnst, dich mit Heilpflanzen zu beschäftigen, werden deine Augen die Natur neu wahrnehmen. Du wirst überall um dich herum Heilpflanzen entdecken, die bisher nur in die Kategorie “Grünzeugs” fielen. Zur Pflanzenbestimmung lohnt es sich, einen guten Pflanzenratgeber zu besorgen. Ich empfehle gerne den einfach verständlichen Heilkräuterführer (Ursula Stumpf) oder den etwas fachlicher beschriebenen Heilpflanzenführer (Ingrid und Peter Schönfelder), beide erschienen im Kosmos Verlag.

Wann ist die beste Zeit, Kräuter zu sammeln?

Im Frühjahr treibt vieles aus. Junge Triebe von Pflanzen (z.B. Birkenblätter, Brennnesseln) sind zu bevorzugen, da sie noch nicht verhärtet sind und weniger Bitterstoffe gebildet haben.
Weißdornblüten, Holunderblüten oder Lindenblüten haben ein kleines Blühzeitfenster, welches durch zu warme Witterung früher eintreten und enden kann, als es dir die Pflanzenratgeber empfehlen. Deshalb Augen offenhalten! Und bitte nicht alles abgrasen. Nach der Blüte kommt die Frucht und die versorgt unsere lieben Vögel.
Bis in den Herbst hinein wirst du jede Woche wunderbare neue Blumen, Kräuter und Blätter entdecken bzw. wenn du etwas gräbst, findest du spannende Wurzeln!
Da im Sommer einige Kräuter zur Samenausbildung ihre Kraft in die Blüte stecken, schmecken sie nicht mehr so intensiv.

Folgende Kräuter sollte deshalb vor der Blüte geerntet und getrocknet werden:

Basilikum
Majoran
Melissenblätter
Löwenzahnkraut
Pfefferminze
Salbei
Thymian

Zur Blütezeit sammelt man diese Pflanzen:

Frauenmantelkraut
Goldrutenkraut mit Blüten
Hirtentäschelkraut
Hibiskus
Holunderblüten
Hopenzapfen
Johannisbeerblätter (auch kurz nach der Blüte noch)
Johanniskraut
Kamille
Königskerzen
Kornblumenblüten
Lavendel
Mädesüßkraut
Malve
Nachtkerzen
Ringelblumen
Rosenblüten
Rosmarinblätter
Primelblüten (Schlüsselblumenblüten)
Schafgarbe
Stiefmütterchenkraut mit Blüten
Taubnesselblüten
Weißdornblätter mit Blüten

Nach der Blüte sammelt man vor allem Früchte, Rinden und Wurzeln:

Baldrianwurzeln
Beinwellwurzeln
Anisfrüchte
Fenchelfrüchte
Flohsamen
Korianderfrüchte
Kümmelfrüchte
Hagebutten
Primelwurzel

Die meisten anderen Teepflanzen findest du bis in den Herbst hinein und erntest immer wieder die frischen Triebe:

Birkenblätter
Brennnessel
Brombeerblätter
Eibischstrauch
Erdbeerblätter
Himbeerblätter
Malve
Schachtelhalm
Spitzwegerich

 

Welche Pflanzenteile sammelt man?

Wie in der Auflistung beschrieben: Z.B. Schafgarbenkraut: die ganze, oberirdische Pflanze, ohne verhärtete Teile am Boden. Oder Baldrianwurzeln: Man gräbt nach der Blüte am Wurzelstock und trennt ein paar Wurzeln zum Trocknen ab.

Wie trockne ich meine Kräutersammlung?

Trocken - das hört sich erst mal einfach an.
Grundsätzlich gilt: Blätter und Blüten im warmen Schatten trocknen, Rinden und Wurzeln in der Sonne.
Viellicht hast du dir eine 3m lange Ranke an Hopfenzapfen mitgenommen. Bevor du sie zum Trocknen ausbreitest, solltest du die Blüten (bei anderen Pflanzen die Blätter) abstreifen. So vermeidest du dass sich die Wirkstoffe in den Stengel / Zweig zurück ziehen.
Du kannst auch kleine, lockere Sträuße binden und sie kopfüber zum Trocknen aufhängen. Am besten an einem warmen, sonnengeschützten Ort. Da ich jedoch immer wieder Schimmelsporen entdeckt habe, trockne ich vor allem, indem ich die Pflanzen dünn auf einem Gitter ausbreite. Nach 1 Woche binde ich dann Sträuße und hänge sie kopfüber auf.
Geeignet sind auch Netztaschen, wie diese hier von The Zero Waste Maker. In diesen Beuteln sammle und trockne ich am liebsten zarte Blüten.

Egal, welche Methode für dich die Beste ist: Durchlüftung der trocknenden Pflanzen muss von allen Seiten möglich sein. Manche Blüten sind allerdings nicht einfach zu trocknen. Sie ziehen Feuchtigkeit aus der Luft an, so wie ein knackiger Butterkeks, der nach einem Tag an der Luft, zu einem schlaffen Dings wird. Diese Blüten kann man dann 20 min bei 40-50 Grad in den Ofen legen, klein hobeln und anschließend in ein luftdichtes Gefäß geben. Vor Verwendung trotzdem genau überprüfen, ob sich nicht ein kleiner grüner Schimmel-Himmel über die Blütendrogen hergemacht hat.

 
Kamelienblüten. Die benutze ich für Naturkosmetik, z.B. Haarpuder, Seifen oder die Handbutter. Im Ofen bei 50 Grad Celsius oder direkt in der Sonne trocknen.

Kamelienblüten. Die benutze ich für Naturkosmetik, z.B. Haarpuder, Seifen oder die Handbutter. Im Ofen bei 50 Grad Celsius oder direkt in der Sonne trocknen.

 

Wie lagere ich selbstgetrockneten Tee?

Nach der Trockenzeit (3 - max. 14 Tage) kannst du den Tee unzerkleinert in Gefäße geben. Denke daran, Datum und Namen zu notieren. Manchen Teesorten wirst du dabei etwas zerkleinern müssen, damit sie in den Behälter passen. Dazu eignen sich Kräuterhobel. Bitte nicht pulverisieren. Vor allem Kräuter mit ätherischen Ölen (Pfefferminze, Melisse, Salbei, etc. ) verlieren sonst die flüchtigen Inhaltsstoffe schon innerhalb von 2 Wochen. Zur Lagerung des Tees kommen klassische Teedosen gut zum Einsatz. Am besten lichtgeschützt und aus Glas oder Metall.
Manche Tees lagere ich nach dem Trocknen in ganzen Bündeln und breche erst Blättchen ab, wenn ich einen Tee aufgieße. Z.B. Pfefferminze oder Lavendelsträußchen. Das sieht hübsch aus und verströmt ein herrliches Aroma im Haus.

Wie wirken Tees?

Die Tees wirken durch ihre teilweise sehr hohe Konzentration von Wirkstoffen. (Mineralien, Fette, Proteine, Flavonoide, Glycoside, Bitter- und Gerbstoffe, usw…). Tees sollen vor allem den Genesungsprozess unterstützen, sie helfen bei Erkältungsbeschwerden, Bauchschmerzen, Frauenleiden und vielen anderen Problemen. Mehr zur Wirkung kommt aber noch: ein wachsendes Herbarium, zu Kräutern, die man im Stadtgebiet findet, gibt es sehr bald direkt hier auf der Stadtfarm Webseite. Im Moment ist es sowie noch trüb draußen, aber ich hoffe, schon einmal zu inspirieren!

Teemischung herstellen

Wie stelle ich eine gute Teemischung zusammen?

Es gibt unglaublich viele tolle Teekräuter, am liebsten würde man sich ein Allheilmittelchen aufgießen, das bei allem wirkt. Da die Wirkung der Teedrogen jedoch stark von der Dosierung abhängt, ist das keine schlaue Idee.

Ein Tee besteht aus Wirkdrogen, Ergänzungsdrogen, Hilfsdrogen, Schmuckdrogen und Stabilisierungsdrogen.
Du möchtest dir z.B. einen Tee gegen Halsschmerzen zusammenstellen. Du schaust dir zuerst an, welche Pflanzen aus deiner Sammlung dafür indiziert sind. Dies sind die Wirkdrogen. Der Anteil der Wirkdrogen sollte in deiner Teemischung 70% sein. Dann kannst du noch 30% andere Kräuter hinzufügen, die die Wirkung unterstützen, den Geschmack verbessern oder einfach nur das Aussehen, die sogenannten Schmuckdrogen.
Eine gute, klassische Teemischung besteht aus 4 - 7 einzelnen Drogen. Je mehr, desto dünner die Wirkstoffkonzentration.

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Wie brühe ich einen Tee auf?

Grundsätzlich gilt: auf eine Tasse mit 200ml kommen 1.5 - 2 Teelöffel zerkleinerter, trockener Tee.
Die Teemischung im Sieb oder Zellstofftütchen ins Gefäß geben und mit siedendem Wasser aufbrühen. Weshalb muss das Wasser kochen? Tees sind Naturprodukte. Sie sind nicht steril. Es befinden sich auf ihnen - wie überall in unserem Umfeld - Keime und Bakterien. Nur wenn ein Tee mit kochendem Wasser aufgegossen und mindestens 8-15 Minuten zieht, werden die Keime abgetötet.

Gibt es Unverträglichkeiten?

Ja! zum Beispiel Allergene. Normalerweise weiß man, gegen welche Pflanze man allergisch ist. Typisch ist eine Allergie gegen Korbblütler.
Einige Teesorten sollten während der Schwangerschaft vermieden werden, wie Süßholzwurzel, Liebstöckel, Salbei und Rosmarin. Sie können den Embryo schädigen oder zu Kontraktionen führen. Fenchel und Anis sowie die neue Trendpflanze “Holy Basil” enthalten Estragol. Wurde bei Tieren als schädlich getestet und wird daher nicht mehr in großen Mengen in Kinder (“Bäuchlein”-) Tees verabreicht. Allerdings gilt hier auch: die Dauer und Menge der Einnahme macht den Unterschied. Wer unter aktuen Blähungen und Bauschschmerzen und Völlegefühl leidet, wird durch Anis oder Fencheltees eine wunderbar, unterstützende Wirkung spüren. Genauso wissen wir, dass übermäßiger und langzeitiger Konsum von Zucker, Alkohol usw. dem Körper schadet. Die Menge und Dauer macht’s!

Ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel einen Anstoß zum Selberpflücken und Selberteemischen geben konnte. Ab und zu biete ich Kräuter- und Teeworkshops im actionhouse Heidelberg an. Siehe letzter Blogeintrag.

Für Fragen bin ich immer auf Instagram zu erreichen. Oder lass mir ein Kommentar da. Genießt den Tee, solange er noch warm ist. Cheers!

Apothekenkunst, DIY, Kräuterheilkunde, Naturheilkunde, Naturmedizin, Selbstversorgung

Tee und Heilkräuter Workshop

Auch in diesem Herbst wurden viele Kräuter unserer Stadtfarm in winterliche Tees verwandelt. Hier ein paar Bilder vom letzten Workshop. Viele Blüten gehen langsam zu Ende und es ärgert mich, dass ich nicht regelmäßig und mehr geerntet habe. Aber so blieben die Teilnehmer kreativ und mischten z.b. getrocknete Cranberries statt Lavendel in den Abendtee. 

Es duftete köstlich, die Teefrüchte (Fenchel, Anis, Kümmel usw.) werden vor der Einarbeitung in den Tee mit dem Granitmörser angestoßen. So gelangen die wohltuenden, ätherischen Öle besser in den Tee. 

Noch mal die kleine Info: Fenchel, Anis enthalten Estragol. Das gilt als krebserregend, daher sollte man Anis und auch Fencheltees nie über einen längeren Zeitraum zu sich nehmen. Vor allem in Kindertees sieht man mittlerweile von Fenchel ab.

Bisschen gruselig, wenn man bedenkt, dass ich mein halbes Leben lang Fencheltee geschlürft habe. Nun ja. Ich lebe noch, wollte es aber bemerkt haben. 

Bitte denk dran: Kräuterwissen kann unterstützend eingesetzt werden und erspart nicht den Weg zum Arzt. Gott sei Dank sind die Ärzte in Deutschland und Europa der Phytotherapie sehr verbunden - das ist in den USA z.B. leider noch ganz anders. 

Mehr zum Thema gibt es übrigens in dieser äußerst interessanten Dokumentation (leider nur über einen begrenzten Zeitraum verfügbar). Ich werde i . neuen Jahr aber einiges mehr zum Thema Pflanzenwirkstoffe teilen über den #stadtfarmblog . 

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Naturkosmetik für Anfänger // Schmelzpunkte: feste Fette, Wachse und Öle

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Wer sich mit Naturkosmetik angefreundet hat und nun selbst einiges herstellen möchte, sollte sich eine kleine “Rezeptur” anlegen. Mit den untenstehenden Fetten kann man fast alles herstellen und wenn man auf Wasser verzichtet, halten deine Produkte sehr lange.

Übrigens: Wenn eine Mischung ranzig riecht, heißt das, dass Fett hat wahrscheinlich oben am Gefäßrand oxidiert. Es ist im Prinzip angetrocknet und müffelt etwas. (Vielleicht erinnerst du dich an den Geruch von Leinöl an alten Schultüren oder Sporthallen?)
Bevor du deine Salbe / Butter / Ölmischung in den Abfall kippst, nimm doch einfach mal ein Tüchlein und wische den Rand ab. Du wirst sehen, der üble Geruch ist verschwunden.

Auch die leidenschaftlichsten Salbenmischer vergessen ab und zu die unterschiedlichen Schmelzpunkte der Öle und Wachse.

Im folgenden eine Übersicht der Schmelzpunkte der üblichen Basisfette, die zwar an sich eine eigene Wirkung haben, aber sich ideal als Grundlage für Salben, Deos, Shampoos und Körperpflege eignen. Weitere Infos zu Ölen und deren Komedogenität findest du hier:

Candelillawachs
Schmelzpunkt: 68°C bis 72 °C
Komedogenität: 0
Verwendung: trockene Haut, rückfettend, feuchtigskeitsspendend,
Rezepturen: Rezepturen für Körper, Gesicht und Lippen.

Carnaubawachs
Schmelzpunkt:  82 °C
Komedogenität: 0-1
Verwendung:
Rezepturen: in div. Rezepturen als Konsistenzgeber. Achtung, wird sehr schnell wieder hart. Am besten gemeinsam mit anderem, stabilen Öl in Gefäß einwiegen und schmelzen.

Sojawachs
Schmelzpunkt: 50°C bis 52°C
Komedogenität: 4
Verwendung: schnell einziehend, für alle Hauttypen geeignet. Achtung, wg. der hohen Komedogenität bei Haut, die zu Unreinheiten neigt.
Rezepturen: Rezepturen für Körper
und Hände

Natriumstearinsäure
Schmelzpunkt: 65°C bis 69°C
Komedogenität: 3
Verwendung: Konsistenzgeber
Rezepturen: Rezepturen für Körper und Hände

 

Kokosöl
Schmelzpunkt: 23 bis 26 °C
Komedogenität: 3
Verwendung: reife Haut, Deodorantrezepturen, Haarspitzen
Rezepturen: Deos, Haarspitzen, Körper

Sheabutter 
Schmelzpunkt: 28°C bis 32°C
Komedogenität: 0
Verwendung: trockene Haut,
rückfettend, feuchtigskeitsspendend,
Rezepturen: Rezepturen für Körper,
Gesicht und Lippen.

Kakaobutter
Schmelzpunkt: 30°C bis 38°C
Komedogenität: 4
Verwendung: für trockene Haut,
Schwangerschaftsstreifen
(vorbeugend und behandelnd),
sehr reichhaltig und fettig,
feuchtigskeitsspendend.
Rezepturen: Körper und Hände,
z.B. in Handbutter, in
Schwangerschaftslotionen

Bienenwachs
Schmelzpunkt: ca. 62°C
Komedogenität: 1-2
Verwendung: als Salbengrundlage,
entzündungshemmend.
Rezepturen: Rezepturen für Körper,
Gesicht und Lippen.
Als Konsistenzgeber.

Zu beachten:
Nachdem die Öle geschmolzen sind, immer erst etwas abkühlen lassen bevor feste Stoffe oder ätherische Öle hinzugefügt werden. Viele Substanzen verändern sich chemikalisch oder verlieren ihre Wirkung oder den Duft.

Ganz streng muss man die Temperatur vor dem Einarbeiten von Natron im Blick haben. Ist die Mischung heißer als 25 Grad Celsium, fängt das Deo innerhalb der nächsten 48 Std. an zu blubbern! Eine Rezeptur für Deos aus dem Naturkosmetikkurs findest hier.

DIY, Apothekenkunst, Kräuterheilkunde, Natur, Selbstversorgung

WORKSHOP: Naturkosmetik

Am 24.4. findet der erste offizielle Stadtfarm Workshop statt. Und zwar im geliebten actionhouse Heidelberg. 

Wir stellen gemeinsam Deos, Cremes, Trockenshampoos und etwas Schminke her.
Alles Bio, vieles vegan und vor allem: individuell auf die eigenen Bedürfnisse oder Vorzüge (mit / ohne Duft?) abgestimmt.

Preis: 15,- pro Nase.
Datum: 24. April 2016
Zeit: 14 bis ca. 15:30 / 16 Uhr Uhr
Ort: Action House, Bergheimer Straße 80, 69115 Heidelberg

Hier der Link zum FB Event und der actionhouse Webseite. Ich würde mich sehr freuen, wenn du den Event teilst!